Losung für Freitag, 8. Mai 2020: „HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.“ (Psalm 119,77)

Heute vor 75 Jahren endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Unermessliches Leid hatten die Menschen noch Wochen und Monate zuvor zu ertragen. Zum Schluss war nur noch sinnloses Töten und Zerstörung auf der Befehlsliste. Wieviele wünschten sich damals in ihren Verstecken, in den zerbomten Häusern oder in den Gefangenenlagern: einfach nur leben? Und wie viele: einfach nur sterben? Der Wunsch, zu leben, war wohl stärker. Wer seinen – vielleicht noch so kleinen – Glauben in dem ertragenen oder erlebten Leid nicht verloren hatte, warf sein Gebet zu Gott: „HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.“

In der Covid-19 Krise kommt es mir merkwürdig vor, dass immer wieder darauf hingewiesen wird, es wäre die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Kann ich meine Entbehrungen mit denen vor 75 Jahren vergleichen? Ich glaube nein! Zwar ist Leid und Tod nicht objektiv messbar, jedes Leid ist auf seine Weise einzigartig schwer, dennoch halte ich solche Vergleiche für unpassend, weil sie das Leid der Menschen vor 75 Jahren relativiert. Es ist und bleibt unsagbares Leid.

Die Hoffnung allerdings mag die gleich sein. Mitten in der Dunkelkeit auf Gottes Barmherzigkeit warten, die wie ein Licht die Gegenwart erhellt und mich aufrichtet – das ich lebe…