Losung für Freitag, 27. März 2020: „Es ist das Herz ein trotziges und verzagtes Ding: Wer kann es ergründen? Ich , der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun.“ (Jeremia 17,9-10)

„Jeder bekommt das, was er verdient“ – dieser Spruch ist eine Lebensweisheit. Innerlich hoffe ich bei Menschen mit üblen Fehlverhalten, dass sie ernten, was sie säen, dass sie ihr Fett wegbekommen. Doch meist entpuppt sich dieser Spruch als Worthülse: Gutherzige Menschen bekommen Krebs, fromme, unschuldige Menschen werden ausgenutzt und übers Ohr gehauen … , da kenne ich zahlreiche Beispiele.

Jeremia hat scheinbar einen positiven Lebensansatz: Gottes Vergeltung ist gerecht. Jede*r bekommt das, was er verdient, nachdem der HERR auf Herz und Nieren geprüft hat. Nicht was vor Augen ist wird beurteilt, sondern ER sieht das Herz an. Was sieht er bei mir? In meinem Herzen? Und in all den anderen, die auf dieser Erde schlagen? Nun, er wird viel Gutes finden – aber wohl nochmehr „trotziges“. Martin Luther prüfte sich und sein Herz sehr kritisch, und kam zu dem Ergebnis: Da ist zu wenig vorzeigbares, das reicht nie und nimmer, um sich Gutes (Gottes Wohlwollen und seine Liebe) zu verdienen. Und jedliche Anstrengung machte es nicht besser.

Luthers Erkenntnis – aus tiefer Not geboren – war, dass Gottes Liebe nicht verdient werden kann und muss! Ein anderer Weg zu Gottes Liebe war gefunden: ein Herz, das ganz auf IHN vertraut. Und nach IHM fragt.

Losung für Donnerstag, 26. März 2020: „Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen.“ (Psalm 38,19)

Schuldzuweisungen – selbst in diesen Tagen hören wir sie. „Chinavirus“ nennen prominente US-Politiker die Bedrohung unserer Zeit, und damit suggerieren sie, dass letztlich China für all unsere Nöte und deren Folgen Verantwortung trägt. Umgekehrt schwirren Falschmeldungen herum, die Amerika für das Virus verantwortlich machen, schließlich sind gerade China und der Iran besonders getroffen. Natürlich alles Quatsch! Es ist vielleicht ein Versuch, von eigenen Unzulänglichkeiten, Versäumnissen und Fehlern abzulenken, die Schuld bei anderen zu suchen, sie anderen in die Schuhe zu schieben…

Der Verfasser des Psalm 38 – der dritte Bußspsalm – schrieb sich angesichts schwerer Heimsuchungen sein Leid von der Seele. Aber er machte keinen Hehl daraus: Sein Leid hat keine fremden oder anonymen Verursacher, sondern er sieht sein Leid letztlich als Folge seiner Schuld, seiner Sünde. Das ist ein Bekenntnis. Und ein Hilferuf.

Nicht all mein Leid, all meine Not ist mein Verschulden. Aber die Frage, was mein Beitrag dazu ist, öffnet einen neuen Horizont. (Jede*r leistet derzeit einen Beitrag, sogar wenn ich zu Hause bleibe, tue ich schon etwas für alle.) Ich komme weg vom Verdrängen und Wegschieben, hin zum Bekennen und Umkehren. Was ich und jede*r von uns gerade individuell durcharbeitet und für sich erkennt, wäre in Zukunft auch ein Auftrag an unsere Gesellschaft, unsere Welt. Umkehren – nicht mehr so weitermachen wie bisher. Dafür leben mit dem Vertrauen: Umkehr ist möglich!

Losung für Dienstag, 24. März 2020: „Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken. (Psalm 145,17)

Ich habe eine ganze Liste von Ungerechtigkeiten, die ich Gott gerne vorlegen würde, damit ER sie bearbeite und das Recht wieder herstelle. Aber sicher hört ER selbst die Schreie der Menschen, die um ihr Recht gebracht werden, und um ihre Lebensgrundlage.

Gerecht? Wer ist schon gerecht?! Die Menschen sicher nicht. Nicht immer. Und wahrscheinlich würde ich beim Versuch, der Gerechtigkeit auf die Sprünge zu helfen, mir – wie Robin Hood – einreden müssen: „der Zweck heiligt die Mittel“. Hinzu kommt: Menschen haben offenbar eine unterschiedliche Vorstellung von Gerechtigkeit. Das hängt sowohl vom Individuum als auch von der Zeit und den Umständen ab, in der sie leben. Verteilung von knappen Gütern macht das wohl sehr gut anschaulich (Atemgeräte, Schutzmasken – und bald wohl auch Intensivbetten). Recht wird gebeugt, das fängt mancherorts schon an den Grenzen an…

Psychogen raten den Menschen in der jetzigen Situation u.a., nur zweimal täglich Nachrichten zu schauen, um dem schlechten Nachrichten nicht zu viel Platz zu geben. Ein wirklich guter Tipp, nicht nur für diese Tage, finde ich.

Der Psalm 145 ist ein einziges Gotteslob. Es nimmt mich heraus aus dem Strudel der Bad News und lädt mich ein, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Der Verfasser – König Dawid – war alles andere als blauäugig, er wusste um die Leiden der Welt; trotzdem hatte er auch seine Erfahrung mit dem gnädigen Gott. So möchte auch ich auf IHN hoffen und vertrauen und um SEINE Gerechtigkeit und SEINE Gnade bitten – für uns alle.

Evangelisches Gesangbuch Nr. 272 – Ich lobe meinen Gott

Losung für Montag, 23. März 2020: „Herr, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmen und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles was darinnen ist.“ (Nehemia 9,6)

„Höchstwahrscheinlich habe ich mit dem Staubkorn total übertrieben, denn gemessen am Weltall ist unser Erdkügelchen nicht einmal Nichts.“ (Aussage eines Mitarbeiters der Sternwarte Kraichtal). Menschen mit dem Blick für das Große und Ganze sehen die einzelnen Dinge und ordnen sie dem unter. Viele Unglücke werden aus diesem Blickwinkel eine Lapalie. Dabei ist jedes Unglück für sich betrachtet individuell schlimm, und Leid bleibt Leid. Ob die Sorge um ein Kind oder einen älteren Menschen, diese Sorge wird nicht kleiner, wenn ich weiß, dass es anderen schlimmer geht. Sorge bleibt Sorge – Leid bleibt Leid.

Was es aber besser macht, was mir hilft: Die Gewissheit, dass einer alles in der Hand hält: Der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Der dich und mich in seiner – gütigen – Hand hält!

Losung für Sonntag, 22. März 2020: „Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart“ (Daniel 2,28)

„Das ist ein Geheimnis!“ … Ich werde hellhörig und neugierig. Geheimnisse sind faszinierend. Denn sie verbergen etwas Wichtiges, manchmal sogar lebenswichtiges. Oder zumindest etwas Besonderes. Geheimrezepte verleihen einer Torte, einem Getränk oder einem Menü die besondere Würze. Sie werden daher gut gehütet, oft sogar im Safe verwahrt.

Menschen möchten Geheimnisse gerne lüften. Sie forschen im Mikro- und im Makrokosmos. Derzeit auch an bestimmten Impf- und Heilstoffen. Der König Nebukadnezar suchte nach einem, der seine Träume deuten konnte und man brachte ihn Daniel. Er sagte: Auch ich kann deine Träume und ihren Sinn nicht aus eigener Kraft deuten, aber „es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart.“

Apokalypsen kenne ich etliche aus der Filmbranche. Bedrohungen von Außen wollen der Welt ans Leben, das Leben der Welt ist bedroht. Weltuntergang naht. Doch das Wort Apokalypse bedeutet eigendlich „Enthüllung“ oder „Offenbarung„. Etwas Verborgenes soll sichtbar und spürbar werden. Manchmal muss es ganz still werden, dass das wesentliche gehört wird. Unsere Zeit und unser Leben war bislang gefüllt mit vielen, was wir gar nicht wirklich gebraucht haben. Schon nach wenigen Tagen bemerke ich, was ich ohne Wehmut loslassen kann. Und was ich wirklich herbeisehne.

Welche Geheimnisse will und wird mir Gott offenbaren? Ich werde neugierig bleiben…

In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (Kolosser 2,3)

Sehr lang, aber auch sehr lesenswert

Losung für Samstag, 21. März 2020: „Der HERR spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.“ (3.Mose 26,6)

Schlaflosigkeit – eine Tortur, die viele Menschen quält. Zeit und Platz für Gedanken, für Kummer und Sorgen. Wie ein Pizzateig vom Nudelholz immer mehr ausgebreitet wird, so walzt die Schalflosigkeit unsere Ängste und Sorgen aus zu einer weiten Fläche. Und umgekehrt wie im Lied von Reinhard Mey (über den Wolken) werden die nichtigen und kleinen Dinge plötzlich wichtig und groß.

Dabei wäre jetzt das Träumen so enorm wichtig. Wenn in Träumen das Erlebte verarbeitet wird, haben meine Träume jetzt viel zu tun. Viel beschäftigt mich. Viele Bilder sind vor meinen Augen – wenn auch meist nur via Bildschirm. Die Vorbereitungen und Maßnahmen, die Notstandsgesetze und Erlässe, sie erinnern mich an einem Kriegszustand. Jeder muss jetzt „Opfer bringen“ wir schon von den Regierungen hörbar. Wie geht es da den Menschen, die ich jetzt nicht besuchen kann und darf, die schon einen Krieg oder die schwere Zeit danach erlebt haben?

Ich merke schon für mich: ich brauche Bilder des Friedens. Ich sehne mich danach. Bilder, in denen Menschen sich in den Arm nehmen können, ohne Angst, angesteckt zu werden. Bilder, in denem Menschen miteinander essen und trinken, lachen, singen und reden. Bilder von gemeinsam spielenden Kindern. Bilder von einer gefüllten Schulklasse. Ja, ich sehne mich inzwischen sogar nach einem überfülltem Bus. Normalität eben – und Frieden. Und diesen Frieden verheißt mir Gott. Das ist meine Hoffnung. Meine Gewissheit.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. (Phil.4,7)

Losung für Freitag, 20. März 2020: „Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“ (Psalm 27,5)

Ein Platzregen im Hochsommer – ich strecke meine Arme in die Höh‘ und freue mich an der willkommenen Erfrischung. Kein Schirm bei der Hand – egal! Schützen tue ich mir eher vor dem Unwillkommen. Doch dagegen hilft kein Schirm.

Was hilft in unserer bösen Zeit? Was schützt mich? Wer schützt mich?

Quarantäne, Ausgehverbot, Versammlungsverbot, Ladenschließung, Disziplin, 1-Meter-Abstand, Plexiglas, Schutzmasken und -kleidung…. – das sind Beiträge, die in der Gesamtheit, nicht als einzelne Maßnahme helfen. Und diese Mosaiksteine helfen nur gegen die Verbreitung des Virus, nicht vor der bösen Zeit. Denn neue Nöte keinem auf: wirtschaftliche, soziale und auch seelische Nöte. „Hilfspakete“ werden geschnürt, in einigen Ländern sogar über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachgedacht. Gegen etliche wirtschaftliche, materielle Folgen wird mit großer Kraftanstrengung vorgebaut.

Und unsere Seele? Der Psalmist ist sich sicher: der HERR ist da. ER birgt mich im Schutz seines Zeltes. Was auch auf mich einprasselt in der bösen Zeit – seine Gegenwart und sein Schutz darf uns gewiss sein.