Losung für Freitag, 15. Mai 2020: „Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.“ (5. Mose 26,7)

Macht es Sinn, in der Not eine Klage anzustimmen? Wahrscheinlich überlege ich in großer Not nicht lange, ich klage, um mir Luft zu machen – und hoffe, dass Gott mein „Schreien“ hört. So wie ein Kind in einem Dilemma instinktiv nach Mutter oder Vater ruft, indem es einfach drauflos weint. Insgeheim – um irgend einen Adressaten zu finden, der aus der Patsche hilft…

Die Klage in der Not – für mich und andere – macht wohl Sinn, vor allem, wenn ich Gottes Gegenwart gewiss bin. Und darauf vertraue, dass mein Schreien SEIN Herz berührt.

Losung für Donnerstag, 14. Mai 2020: „Meint ihr, dass ihr Gott täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?“ (Hiob 13,9)

Wer ist vor Gott ohne Schuld?! Tragen die Leidenden die Last ihrer Sünde? Stehen die Wohlhabenden, Unversehrten und Erfolgreichen vor Gott mit „weißer Weste“ – oder ist ihr Erfolg swogar der Lohn für ihr untadeliges Leben? Solche Fragen bewegen Hiob und seine Freunde; und hin und wieder auch und, zumindest mich.

Ich habe in meiner Jugend öfter gehört „Irgendwas müssen die Juden ja getan haben, sonst würden sie ja nicht alle gegen sie sein!“ – Ihr Schicksal, ihr Ergehen also eine Folge ihrer Taten? Dieses Denken ist auch heutigen Menschen nicht fremd. AIDS, Covid-19, etc werden als Strafe Gottes gepredigt – und nicht wenige glauben das auch ernsthaft. Leid als Ernte für unser Tun, oder „kleine Sünden straft der liebe Gott sofort“, alles Formen der gleichen Denkmasse: Gottes Gerechtigkeit wird es den Bösen schon zeigen…

Hiob hinterfragt das Denken. „Meint ihr, dass ihr Gott täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?“ Er sieht sich mit seinen Freunden im selben Boot – auch wenn sie in ungleicher Lage sind, er in Schutt und Asche, sie als freundlicher Beistand. Und auch das Covid-19-Virus hinterfragt unser Denken. Es macht keinen Unterschied – sozialer Stand, Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, Alter …. es kann jede*n treffen. Ebenso wie Gottes Gerechtigkeit. Doch in ihr liegt letztlich Heil und Segen. Darum lasst uns die Gerechtigkeit Gottes suchen…

Wieder Gottesdienste in der Weinbergkirche!

Ab 15. Mai 2020 kann in Kirchen wieder „live“ Gottesdienst in Gemeinschaft gefeiert werden, allerdings unter Einhaltung etlicher Vorschriften und Bedingungen (https://evang.at/faq-corona/). So sieht unser Plan aus: Da wir gemäß der Kirchengröße maximal 37 Personen einlassen dürfen, hat das Presbyterium entschieden, eine „Reservierungsliste“ zu führen, sodass jede*r zu den Kanzleizeiten eine persönliche Reservierung vornehmen kann, die bis 15 Minuten vor Gottesdienstbeginn gültig ist. Die Teilnahme auf „gut Glück“ ist auch möglich (min. 12 Plätze), aber nicht garantiert. Den Mund-Nasen-Schutz haben Sie mit Zutritt in das Gemeindezentrum bitte schon aufgesetzt und tragen ihn auch, solange Sie im Gebäude sind! Ggfs. stellen wir einen MNS gegen eine Spende zur Verfügung. Ein KIrchenordnerdienst wird Sie im Eingangsbereich freundlich – aber kontaktlos – begrüßen, zur Handhygiene auffordern, und anschließend zu ihrem Sitzplatz führen (derzeit 2-Meter-Abstand zum Nächsten. Familien und in einem Haushalt lebende Personen dürfen natürlich zusammensitzen!). Vor- und Nach dem Gottesdienst gilt die allgemeine 1-m-Abstandsregel. Der Gottesdienst wird etwas kürzer sein (40-45 Min.), auf Abendmahl, Kirchenkaffee und Kindergottesdienst muss vorerst verzichtet werden. Folgende Termine sind geplant:

Samstag, 16. Mai 2020 um 18.00 Uhr (Pfarrer Matthias Eikenberg) für max. 37 Personen, mit Video-Aufzeichnung zur Ausstahlung ab 17. Mai 2020 um 10.00.

Sonntag, 17. Mai 2020 um 10.00 Uhr (Pfarrer Matthias Eikenberg) für max. 37 Personen (Der ORF wird diesen Sonntag bei uns einen kurzen Beitrag für „Wien heute“ filmen)

Samstag, 23. Mai 2020 um 18.00 Uhr (Lektor Wolfgang Morawec) für max. 37 Personen, mit Video-Aufzeichnung zur Ausstahlung ab 24. Mai 2020 um 10.00.

Sonntag, 24. Mai 2020 um 10.00 Uhr (Lektor Wolfgang Morawec) für max. 37 Personen

Weitere Termine werden erst später bekanntgegeben!

Losung für Dienstag, 12. Mai 2020: „Der HERR sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.“ (1. Könige 3,5.9)

Gut und Böse – so einfach kann man diese zwei heute nicht mehr auseinander halten. Die Grenze ist manchmal fließend. Aber der Wunsch ist schön. Vor allem für einen Herrscher. Eingehorsames Herz und die Weisheit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Ich wünschte mir mehr Herrscher heute in der Welt, die sich diese Frage stellen, und nicht nach dem eigenen Vorteil haschen.

Losung für Samstag, 9. Mai 2020: „Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.“ (5. Mose 2,7)

Schön, wenn mir – wie einst Mose – am Ende einer langen Wüstenwanderung zugesprochen wird: „Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.“ Dass Segen auf dem lag, was ich getan oder gelassen habe, das zu erkennen, gibt vielem einen Sinn. Das lässt die Mühen, Plagen, Durststrecken etc. in einem anderen Licht leuchten. Alles hatte seinen Sinn!

Derzeit stellen immer mehr Menschen und Medien in Frage, ob die Maßnahmen zur Eindämmung von covid-19 gerechtfertigt waren. Anders gesagt: Ob unsere Durststrecken und Wüstenwanderungen einen Sinn hatten. Ich wünsche ihnen, sie können „ja“ dazu sagen, den der Blick auf das Ergebnis scheint die Maßnahmen zu rechtfertigen. Die Freude über die deutliche Besserung sollte doch überwiegen. Für mich zumeindest hatten die Entbehrungen einen Sinn – und das genügt mir.

Wie die Ernte am Ende des Lebens ausfällt, steht noch aus, aber sie wird gesegnet sein, diese Verheißung nehme ich mit – auch durch so manches finstere Tal…

Losung für Freitag, 8. Mai 2020: „HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.“ (Psalm 119,77)

Heute vor 75 Jahren endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Unermessliches Leid hatten die Menschen noch Wochen und Monate zuvor zu ertragen. Zum Schluss war nur noch sinnloses Töten und Zerstörung auf der Befehlsliste. Wieviele wünschten sich damals in ihren Verstecken, in den zerbomten Häusern oder in den Gefangenenlagern: einfach nur leben? Und wie viele: einfach nur sterben? Der Wunsch, zu leben, war wohl stärker. Wer seinen – vielleicht noch so kleinen – Glauben in dem ertragenen oder erlebten Leid nicht verloren hatte, warf sein Gebet zu Gott: „HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.“

In der Covid-19 Krise kommt es mir merkwürdig vor, dass immer wieder darauf hingewiesen wird, es wäre die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Kann ich meine Entbehrungen mit denen vor 75 Jahren vergleichen? Ich glaube nein! Zwar ist Leid und Tod nicht objektiv messbar, jedes Leid ist auf seine Weise einzigartig schwer, dennoch halte ich solche Vergleiche für unpassend, weil sie das Leid der Menschen vor 75 Jahren relativiert. Es ist und bleibt unsagbares Leid.

Die Hoffnung allerdings mag die gleich sein. Mitten in der Dunkelkeit auf Gottes Barmherzigkeit warten, die wie ein Licht die Gegenwart erhellt und mich aufrichtet – das ich lebe…