Losung für Mittwoch, 22. April 2020: „Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und du wurdest mein.“ (Hesekiel 16,8)

Einseitige Verträge sind so wirksam wie einseitiges Liebeswerben – es kommt selten etwas gescheites bei heraus. So auch beim Werben Gottes um sein geliebtes Jesusalem, das bei Hesekiel als „treuloses Weib“ beschrieben wird.

Gott wirbt um mich. Um jeden einzelnen Mensch, möchte ich ergänzen. Seine Hand ist ausgestreckt, ich brauche sie nur noch zu greifen, und damit den Bund vollständig werden lassen. Der eine nimmt sie bald, die andere später, manche vielleicht nie, zumindest nicht in diesem Leben. Doch wer einschlägt in Gottes Bund, erfährt ein wunderbares getragenwerden. Auch durch schwere Zeiten hindurch. Denn ER ist da, und freut sich auf Menschen, die mitbauen an seinem Reich.

Glaubst du an Gott? – Egal – ER glaubt an dich! – Das zählt!

Losung für Sonntag, 19. April 2020: „Er behüte sein Volk wie seinen Augapfel“ (5.Mose 32,10)

Als optimistischer Mensch gehe ich davon aus, das jede Staatsführung, jede*r Regierungschef*in, sogar jeder Dispot es gut meint mit seinem oder ihrem Volk. Es gibt ja nur das eine Volk für sie oder ihn. Doch während ich das noch schreibe fallen mir schon einige Beispiele ein, wo diese Behauptung leider nicht stimmt. Es gibt sehr wohl Regierungen – welcher Art auch immer – die nicht das Wohl den Volkes im Sinn haben, leider…

Jakob steht als Synonym für das Volk Gottes. Dieser Jakob befand sich in der Wüste. Seine Angst vor dem Tod – sein Bruder Esau war ihm auf den Fersen – hatte ihn dort hingeführt. Wüste, das absolute nichts, das umgibt ihn, den Jakob. Isoliert von allem, das ihm lieb und teuer war, so lebt er und so möchte er nicht mehr leben. Doch Gott schickt ihm Wasser und Brot – zur Stärkung. Gott baut ihn auf, will ihn wieder auf die Beine bringen und in Bewegung. Er behütet ihn – Jakob – wie seinen Augapfel.

Das klingt sehr ermutigend, gerade in Zeiten, die sich auch etwas wie Wüste anfühlen. Was ist das Brot, das mich stärkt und das Wasser, das mich aufrichtet? Gespräche per Telefon, freundliche Grüße von unbekannten Passanten, aufbauende Onlinegottesdienste und die Zeit, die plötzlich da ist. Es gibt so vieles, das in diesen Tagen aufbaut, und es liegt an mir, es anzunehmen und das Wort darin zu hören, „Iss, trink und steh auf!“ …

Losung für Samstag, 18. April 2020: Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.“ (Jeremia 8,7)

Jeden Morgen werden ich vom Vogelgezwitscher liebevoll geweckt. Alle Vögel sind schon da…, sogar eine Spechtfamilie hat die Ruhe des Pfarrgartens genutzt und ein Nest gebaut. Ja, die Vögel kennen den richtigen Zeitpunkt.

Jeremias Vorstellung ist, dass alles Leben auf der Welt dem Willen Gottes untergeordnet ist, alles SEINEM Plan folgen soll. Auch der Mensch soll diesem Plan, seinem Recht und Gesetz folgen. So war es ausgemacht beim Bund mit Mose. Ich bin Euer Gott – Ihr seid mein Volk. daran werden euch alle erkennen, dass ihr meine Gebote haltet…

Wann frage ich im Alltag nach dem Willen Gottes? Nach seinem Recht? Die Verbundenheit zu Gott hängt nun aber seit Jesu Tod nicht mehr am Erfüllen irgendwelcher Gesetze, sondern an dem Vertrauen zu IHM. „Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. (Titus 2,14) Wo kann mein Vertrauen zu Gott Früchte bringen? Wahrscheinlich ist es wie bei den Vögeln: Alles geschieht zu seiner Zeit …

Losung für Freitag, 17. April 2020: „Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen.“ (Psalm 71,3)

Wo fliehe ich hin vor Gefahr? #stay home – heißt es jetzt; bleib zu Hause! Geh den Menschen aus dem Weg, die du nicht täglich im Haushalt bei dir wohnen hast. Bleib auf Abstand! Schütze dich und mich! Geh auch nicht ins Büro! Und schon gar nicht in die Kirche!!! Gefährlich….

Was machen solche Gebote und Sicherheitshinweise, wenn sie sich langsam einbrennen in mein Gehirn, zur Routine werden im Alltag?!

Ich denke an die Menschen, die jetzt keine weitere Person in ihrem Haushalt leben haben, die alleine wohnen und jetzt verlassen sind. Menschen in den Pflegeheimen werden isoliert, bekommen keine Besuche, keine Gottesdienstangebote im Haus. Sicherheit um jeden Preis! Ist der Preis nicht zu hoch? In einem Döblinger Pflegeheim sollen vier Personen gestorben sein – nicht an Krankheit, sondern an Einsamkeit. Sicher keine Einzelfälle.

Nicht falsch verstehen: ich halte die Maßnahmen, die die Verantwortlichen zum Schutz der Gesundheit treffen, für wichtig und richtig. Doch nicht alle Entscheidungen und Gebote sind damit gerechtfertigt, wenn nur die covid-19-Kurve nach unten geht, denn es bleibt viel Leid von Menschen ausserhalb dieses Blickfeldes.

Die Kirchen stehen unter staatlichem Arrest. Sie sind nicht „systemrelevant“. Funken online ein paar Lebenszeichen. Doch gerade ihr Auftrag und Beitrag, Menschen zu begleiten, die besonderen Zuspruch bedürfen, in Seelsorge, gemeinschaftlichen Gottesdiensten, Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Menschen zusammenbringen und aus der Isolation helfen, diesen Beitrag sieht die Bundesregierung als marginal, nahezu wertlos oder sogar gefährlich im Kampf gegen den Virus. Die Kirchen bleiben geschlossen, während Baumärkte und Geschäfte öffnen. Und die Kirchenverantwortlichen – schweigen* …

So bleibt den Einsamen nur der starke Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du mir zugesagt hast, mir zu helfen…

*… oder werden nicht gehört…

Losung für Donnerstag, 16. April 2020: „Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug.“ (Jesaja 5,21)

Ich weiss, dass ich nichts weiss! Diese Weisheit des Sokrates ist seit dem Altertum ein geflügeltes Wort. Dieses Wissen um das nicht wissen ist nicht das Sahnehäubchen auf seinem Wissen, sondern das Eingeständnis, dass in Fragen der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, des Guten keine letzten Wahrheiten für den Menschen greifbar sind. Das Unfassbare ist eben nicht zu fassen.

Wer behauptet, Gottes Wege zu kennen, und Epidemien als Strafe Gottes bezeichnet, ist ein Narr. Ebenso, wer sich als Weltpolizist aufspielt – er ist ein Narr. Das Gute kann ich nicht besitzen, nicht erzwingen, ich kann ihm aber folgen, ihm vertrauen. Ja, ich kann dem Guten in der Welt den Weg bereiten, indem ich selbst aus ihm heraus lebe, aber nie als Wissender, eher als Suchender, als vertrauender Nachfolger, denn da ist jemand ….

Losung für Mittwoch, 15. April 2020: „Der HERR, dein Gott, ist bei dir gewesen; an nichts hast du Mangel gehabt.“ (5.Mose 2,7)

Wie schön, wenn ich im Rückblick auf mein Leben einmal sagen kann: Mein Gott ist bei mir gewesen, an nichts haben ich Mangel gehabt. So stelle ich mir ein gesegnetes Leben vor.

Doch manchmal ist auch der Mangel für mich ein Geschenk. Denn in Zeiten des Mangels erkenne ich, was sonst mein Leben so reich macht. In der Leere entdecke ich die Fülle, aus der ich täglich schöpfte. Gerade jetzt im „Shutdown“ kann ich wahrnehmen, sortieren und erkennen, was mir wirklich wichtig ist, und was nur Beiwerk eines Lebens in Überfluss war. Ja, der Mangel ist auch ein Geschenk, das ich zwar nicht immer, aber doch immer wieder für eine bestimmte Zeit gerne als Pause in meinem Leben kosten würde.

So wäre es schön, wenn ich im Rückblick auf meine Leben einmal sagen könnte: An nichts habe ich Mangel gehabt, nicht einmal am Mangel selbst …

Losung für Dienstag, 14. April 2020: „Meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten.“ (Jesaja 51,5)

Texte verstehe ich besser, wenn ich den Kontext lese; das habe ich auch beim Nachdenken über die heutige Losung getan. Nur einen Vers weiter – Vers 6 – steht „Denn der Himmel wird wie Rauch vergehen und die Erde wird wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben…“ – Da habe ich sofort Bilder im Kopf, aus Italien, Spanien, Frankreich … und ich habe viele Fragen an den Text: was hat das alles mit Heil und Gerechtigkeit zu tun?

Nach dem Tod kommt die Auferstehung, nach dem Leid das Heil und die Gerechtigkeit. Das haben Menschen verschiedenster Epochen und Kulturen erfahren und in ihrem kollektiven Gedächtnis bewahrt. Und jedesmal, wenn die Zeiten finster und gefährlich werden, wenn die Angst und Sorge über die Ufer treten, können wir einen Schluck von diesem kostbaren Tropfen der Verheißung nehmen.

Und so kann ich mit Paulus hoffen: „Ich bin ganz sicher, dass nichts uns von seiner Liebe trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Himmel noch Hölle. Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn*. (Römer 8,38+29)