Losung für Freitag, 3. April 2020: „Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Anglitzes wandeln.“ (Psalm 87,16)

„Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort!“ – eine Redewendung, die ich seit Kindertagen immer wieder gehört habe. Ein kleines Hoppala passiert, irgendwo stoße ich mich, und schon fliegt wie ein kleiner Vogel mir diese Spruchweisheit entgegen. Zugegeben, es ist leichter etwas Unangenehmes oder sogar Schlimmes hinzunehmen, wenn es „verdient“ ist, als unverdient zu leiden.

Daher wundert es mich nicht, dass seit Menschengedenken Krankheiten und Katastrophen mit menschliches Fehlverhalten erklärt wurden. Es ist eingeübt und halbwegs plausibel, das Schicksal als als Frucht des eigenen Tuns und Lassens zu verstehen. Bereits die Geschichte des Volkes Israels misst ihre politischen Erfolge und Misserfolge an der Gottesfürchtigkeit und Frömmigkeit der Könige und Herrscher. Ist der König fromm und gerecht, geht es auch seinem Reich und den Menschen darin wohl.

Stimmt diese Korrelation von Tun und Ergehen? Ist nicht seit Hiob dieser Zusammenhang von Tun und Ergehen in Frage gestellt? Und mit Christus überhaupt vom Tisch?!

So bin ich verwundert, dass covid-19 als Strafe Gottes gepredigt wird. Gerade von denen, die das Evangelium sehr gut kennen. Nun, ich habe im Moment genug Zeit zum Nachdenken, und sicher viele Menschen mit mir. Es braucht nicht erst den „Stoß Gottes“, um meinen Weg zu reflektieren, und ich weiß mich geborgen von den wunderbaren Mächten …

„Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5,8+9)

Losung für Donnerstag, 2. April 2020: „Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.“ (Psalm 71,17)

Risikogruppen – wir sind derzeit eingeteilt in verschiedene Gruppen, wohl wissend, das der Virus auf das Geburtsjahr keine Rücksicht nimmt. Die Folge einer Erkrankung trifft ältere Menschen mit härteren Folgen, als widerstands fähige jüngere. Wo gehöre ich hin? Mit meinen 56 Jahren? Doch eher zu den älteren! Einige Bewohnerinnen in der Seniorenresidenz schütteln lächelnd den Kopf, aber sonst stimmt es doch.

Der Psalm 71 ist eine Bitte um Gottes Hilfe im Alter. Manche Wünsche haben sich seit Jahrtausenden kaum verändert, andere allerdings schon, z.B. die Sicherheitsbedürfnisse. Ein gesichertes Einkommen (Pension), eine gutes Gesundheitssystem, eine ausreichende Versorgung mit dem Lebensnotwendigen. Eine besondere schöne Vorstellung vom Alter, die der Psalm 71 überliefert, ist der Wunsch, dass auch im Alter noch Gottes Wunder gepriesen werden können. Nicht nur der wehmütige Blick zurück, sondern die dankbare Würdigung, was gelebt und erlebt wurde.

Das würde ich auch gerne können. Diese Idee nehme ich mit. Die Spuren Gottes auf meinem Lebensweg suchen, wahrnehmen und dafür dankbar sein.

https://www.youtube.com/watch?v=y_ax54B-3dY

Losung für Mittwoch, 1. April 2020: „Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“ (Jesaja 65,19)

Licht am Ende des Tunnels. Noch bin ich nicht ganz hindurch, noch umgibt mich die Dunkelheit und der Qualm der Dampflokomotive. Doch das Licht am Ende des Tunnels lässt mich das alles leichter ertragen. Bald ist es vorbei mit dem beißenden Rauch und dem Luftanhalten oder dem Atmen durch ein filterndes Textil; bald kann ich wieder frei atmen und frischen Luft bekommen.

Auf diese Weise bin ich so manches Mal mit dem Dampfzug der Schneebergbahn zum Gipfel (Station Hochschneeberg) gefahren. Diese Fahrt hat Parallelen zur momentanen Situation, die von dem Kampf gegen covid-19 geprägt ist. Das Atmen fällt schwerer, nicht nur, weil der Weg in die frischen Luft die Ausnahme ist. Der lange Tunnel, der kein Ende zu haben scheint, macht so manchen Menschen betrübt. Ein Licht am Ende des Tunnels wäre eine große Hilfe, die Tunnelfahrt leichter zu ertragen.

Jesaja sieht für sein Volk ein Licht am Ende des Tunnels. Das Klagen und Weinen wird nicht mehr zu hören sein, prophezeit er. Uns stahlt bereits ein Licht entgegen – das Licht des Ostermorgens, der alles Lebens verwandelt hat und auch heute noch verwandeln wird. Die Stahlen dieses Lichtes sehe ich schon jetzt, und sie geben mit Hoffnung. Auf Luft zum Atmen und Leben.

Losung für Dienstag, 31. März 2020: „Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen.“ (Sacharja 6,15)

Distanz halten! – Das ist das Gebot der Stunde. Was noch vor kurzem eher ein Zeichen der Ablehnung war, ist jetzt geradezu ein Liebesbeweis. Ein Meter, zwei Meter, drei Meter oder darf es noch etwas mehr sein ?!

Fernstehende sind im kirchlichlichen Jargon Menschen, die nicht viel anfangen können mit Kirche oder christlichem Glauben, aus welchen Gründen auch immer. Aber gerade diese Gründe würden mich besonders interessieren. Gerade jetzt kann ich vielleicht davon lernen, in der Zeit, wo wir alle „gleich“ sind, räumlich distanziert von der KIrche.

Sacharja hat eine Vision, die mir die heutige Tageslosung zum Nachdenken aufgibt: (Gerade) Jede, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen – ihnen kommt eine besondere Aufgabe zu?! Aber welche? …

Losung für Montag, 30. März 2020: „Wo ist jemand, wenn er fällt, er nicht gerne wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gerne wieder zurechtkäme?“ (Jeremia 8,4)

Im Nachhinein ist man immer schlauer – das werden wir noch so manches Mal nach der Covid-Krise zu hören bekommen. Mal als verblümte Entschuldigung für Fehlleistungen, mal sicher auch aus dem Mund von Wissenschaftler*innen, die jetzt mit Neuem konfrontiert sind und derzeit täglich dazulernen.

Im Nachhinein ist man immer schlauer – ob ich das auch einmal im Rückbick auf mein eigenes Leben sage?! Was würde ich aus heutiger Sicht anders machen, welche Entscheidung anders fällen? Natürlich – im Rückspiegel sehe ich mein Leben und verstehe vieles besser, manche Frage löst sich auf. Erfahrungen bekommen eine neue Gewichtung und Begegnungen einen neuen Wert. Manchen Knoten lassen sich lösen.

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Weil man reifer ist. Erfahrener und auch – hoffentlich – aus Fehlern gelernt hat. Bleibt zu hoffen, rechtzeitig die Sackgassen zu erkennen, denn Umkehr wird dadurch erst möglich. Für mich persönlich, aber auch für die Menschen insgesamt.

Losung für Sonntag, 29. März 2020: „Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.“ (Psalm 142,4)

Wie lange noch? Wann ist die Ausgangssperre und das Versammlungsverbot vorbei? Wann beginnt wieder die Normalität? In der alles so ist wie früher, oder zumindest so ähnlich? Wann kann ich wieder Menschen besuchen ohne Angst, Überträger von gefährlichen Viren zu sein oder mich selbst zu infizieren?

In den Nachrichten werde ich hingehalten: Wir bräuchten erst weitere Daten. Experten entscheiden über weitere Maßnahmen, Statistiken über die Planung meiner näheren Zukunft. Alles scheint fremdbestimmt. Und auch die Angst bestimmt mein Verhalten. Ich sehe Bilder von Toten, ein Spalier von Särgen und die Mahnung, covid-19 nicht zu unterschätzen. Tue ich auch nicht. Sowieso nicht. Was mir allerdings fehlt ist die Perspektive. Eine Ahnung, wie es weitergeht oder weitergehen kann – danach.

Ein Trost ist mir in diesen Zeiten, dass Gott mich, uns, seine Kirche, ja seine ganze Welt im Blick hat und die weiteren Wege kennt. Auch wenn ich es jetzt noch nicht sehen kann, da ist ein Weg gezeichnet, der herausführt in die Zukunft ….

Losung für Samstag, 28. März 2020: Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.“ (Psalm 147,11)

Auf dem Weg zum Bäcker um die Ecke heute früh wechseln entgegenkommende Passanten rechtzeitig die Gehwegseite, schauen auf den Boden – grußlos. Soziale Distanz wird gelebt. Bravo – es ist angekommen im Alltag nach nicht einmal 14 Tagen.

Die ausgerufenen und gebotenen Maßnahmen greifen, der Gesundheitsminister freut sich. In der Regel hat dieser Gehorsam wohl weniger mit der Angst vor Strafen der Ordnungshüter zu tun, sondern die Furcht hat uns im Griff: nur nicht krankwerden, sich anstecken lassen, und dann andere – uns liebegewordene Menmschen – anstecken. Was die Gesetze nicht so schnell durchsetzen könnten, schafft die Angst mit dem kleinen Finger

„Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten …“ – moment mal: Bei aller Angst und Furcht in dieser Zeit hört sich dieser Vers gerade missverständlich und unpassend an. Besser übersetze ich das Wort fürchten für unsere Zeit verständlich und hilfreich: „Der Herr hat Gefallen an denen, die (Ehrfurcht) Respekt vor ihm haben„. Diesen Respekt verdient sich Gott in den Augen des Psalmisten wegen der weisen Ordnung der Welt und der Ordnung der Geschichte seines Volkes. In dieser Ordnung liegt auch begründet, dass das Gute seine Zeit erhält, und aus SEINER Hand erwartet werden darf. Wenn auch der Mensch seines Glückes Schmied sein möchte, das Gute erfahre ich meist als „Geschenk“. Das ich nicht verdiene, sondern mir zufällt.

Mir wird immer mehr bewusst, dass meine Angst vor dem Schlimmen mein Leben kleiner und heillos macht; so folge ich dem Vertrauen, das Gott mich in der Hand hält und uns schützt, das ärztlich Plegepersonal stärkt und trägt und uns Hoffnung ins Herz gibt, diese Wochen zu überstehen und gegenanzuglauben gegen die Angst, denn daran hat der HERR Gefallen.