15. Chörefest in der Weinbergkirche

Am Samstag, 23. Februar 2019 um 17 Uhr singen beim 15. Döblinger Chörefest acht Chöre in der Weinbergkirche einzeln und auch im gemeinsamen Großen Chor. Motto im Jahr 2019: „Look at the World“. Gesamtleitung: Dr. Vladimir Prado. Anschließend: Agape im Gartengeschoss.

Predigt vom 20. Februar 2019 (Dr. Peter Roland)

2. Sonntag nach Epiphanias – 20. Februar 2019
Weinbergkirche
Predigttext: Römer 12, 9-16

Gnade sei mit euch und Friede
von dem, der da ist und der da war und der da kommt.

Liebe Gemeinde!

Es könnte ja sein, dass wir jemandem das Wesentliche unseres evangelischen Glaubens erklären sollen/wollen (Gespräch mit Katholiken, Moslems …). 1. Petrus 3, 15-16: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und GottesfurchtDa empfiehlt es sich beispielsweise, unser Gesangbuch unter Nr. 806.2 aufzuschlagen und dort aus dem 20. Artikel des Augsburger Bekenntnisses (25. Juni 1530, Reichstag zu Augsburg, Philipp Melanchthon im Auftrag Kaiser Karls V.) folgende markanten Sätze zitieren:

Artikel 20: Vom Glauben und guten Werken

Den Unseren (= den Evangelischen) wird in unwahrer Weise nachgesagt, dass sie gute Werke verbieten. Das stimmt nicht, aber man hat bisher (= vor der Reformation) in allen Predigten vor allem zu kindischen, unnötigen Werken, wie Rosenkränze, Mönchwerden, Heiligenverehrung, Wallfahrten, Fastenordnungen usw. angetrieben. … Weil nun die Lehre vom Glauben, die das Hauptstück im christlichen Wesen ist, lange Zeit nicht betrieben worden ist, sondern überall allein die Lehre von den Werken gepredigt wurde (Luther – einer der Hauptgründe der Reformation Ablasskauf als „gutes Werk“), ist von den Unseren (= den Evangelischen) folgende Unterrichtung gegeben worden:

Erstens, dass unsere Werke uns nicht mit Gott versöhnen und uns nicht Gnade erwerben können, sondern das geschieht allein durch den Glauben (SOLA FIDE) – wenn man nämlich glaubt, dass uns um Christi willen die Sünden vergeben werden, der allein der Mittler ist, um den Vater zu versöhnen. Wer nun meint, das durch Werke zu erreichen und dadurch Gnade zu verdienen, der verachtet Christus und sucht einen eigenen Weg zu Gott gegen das Evangelium.

Aber es wird bei uns (Evangelischen) gelehrt, dass gute Werke geschehen sollen und müssen, aber nicht, dass man darauf vertraut, durch sie Gnade zu verdienen, sondern um Gottes willen und zu Gottes Lob. Der Glaube ergreift immer nur die Gnade und die Vergebung der Sünde; und weil durch den Glauben der Heilige Geist gegeben wird, darum wird auch das Herz befähigt, gute Werke zu tun usw.

Dieses Augsburger Bekenntnis beruft sich immer wieder auf den Apostel Paulus, etwa auf den wohl mehr als klaren Satz aus Eph.2,8: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch, sondern Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme.“

So wird es wohl gleich recht spannend zu lesen, was nun „unser“ Paulus als jene guten (und nicht „kindische, unnötige“) Werke betrachtet, die wie selbstverständlich, „automatisch“ aus dem Glauben fließen, „Werke“, nicht um uns das ewige Seelenheil zu schaffen, sondern gleichsam Kennzeichen, Erkennungsmerkmale einer Christin und eines Christen.

Genau das ist die für heute vorgesehene Predigtstelle:

Römer 12, 9-16:

9 Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an.

10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.

11 Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.

12 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. (= alle, die ihr Vertrauen auf Christus setzen) Übt Gastfreundschaft.

14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und verflucht sie nicht.

15 Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.

16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug.

Herr, bitte hilf uns, so zu leben. AMEN

Liebe Gemeinde!

Da haben wir jetzt ein Problem, denn: Alle diese Sätze sind doch als Aufforderungen formuliert, grammatikalisch mitunter sogar als Befehlsformen. Werden wir hier also doch zu „guten Werken“ aufgefordert – widerspricht sich damit Paulus also selbst, wo sich doch unser Martin Luther ganz ausdrücklich auf Paulus beruft, wenn er betont, es komme nur auf den Glauben an SOLA FIDE und nur auf die Gnade Gottes SOLA GRATIA?

Vielleicht liegt die Lösung bereits in einer Vorfrage, wie wir die Zehn Gebote zu lesen haben, jene Gebote, bei denen uns manchmal die Gebote „du sollst“ und die Verbote „du sollst nicht“ unangenehm klingen. Aber:

. 1. Im Hebräischen ist nicht von Zehn Geboten die Rede, sondern immer von Zehn Worten (griechisch: Dekalog). Zehn Worte. Die Verschiebung hin zu Zehn Geboten ist nicht glücklich; sie suggeriert Gebots- und Verbotsmoral.

2. Der alles entscheidende Satz ist der erste, die Präambel, der Fundament-Satz. Von ihm her ist alles zu verstehen. Dieser Satz lautet: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat, aus dem Sklavenhaus“. Das ist die Grunderfahrung Israels, die alles prägt. Sie ist das Vorzeichen vor allem, auch das Vorzeichen vor den folgenden 10 Worten oder Weisungen.

D.h.: Am Anfang steht das befreiende Wirken Gottes an dem versklavten, bedrängten kleinen Volk Israel. Am Anfang steht das, was Gott gibt, was Israel empfängt, was es Gott verdankt (es verdankt sich ganz Gott, ohne ihn wäre es nicht).

Und was folgt, ist die Konsequenz auf Seiten des Volkes: Wenn du das beherzigst und ernst nimmst, dass du dich Gott verdankst, dann läufst du nicht andern Göttern nach und dann hältst du dich an die lebensfreundliche WegWeisung, die ich dir gebe.

Dieser Zusammenhang ist wichtig: Zuerst die Erinnerung an die eigene Befreiung, dann (als innere Folge und Frucht) das entsprechende Leben und Handeln.

Dieser Zusammenhang wird leider in unserm Katechismus nicht mehr erkennbar. Denn da wird die Präambel, der Fundament-Satz, verkürzt, ja verstümmelt in die dürre Formel: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine andern Götter neben mir haben. Usw.“ D.h. alles wird auf die Kommando-Gewalt Gottes hin ausgelegt, auf Befehl und Gehorsam. Gottes Vorgabe ist vergessen, die Vorgabe, auf der alles ruht.

Man hätte im Katechismus wenigstens sagen müssen: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich trägt, dich hält, dich frei macht; deswegen dann: du sollst….

3. Aber im Hebräischen steht eigentlich gar nicht „du sollst“ und „du sollst nicht“ (z.B. du sollst nicht töten) usw. Die hebräische Wortform kann zweierlei heißen:

a) „du wirst nicht töten“ oder auch einfach im Präsens „du tötest nicht“ (Futur und Präsens sind im Hebräischen nicht unterschieden),

b) „du sollst nicht töten“ – so übersetzen die meisten heutigen Bibelübersetzungen.

Aber die Frage ist ja: Wie haben die Israeliten, die Juden, das damals verstanden? Da hilft ein Blick in die sogenannte Septuaginta (LXX), die griechische Übersetzung des hebräischen AT, die um 200 v. Chr. angefertigt worden ist. Die damaligen jüdischen Übersetzer aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzen nämlich nicht mit „du sollst nicht“, sondern immer mit „du wirst nicht (töten, Ehe brechen, den Nächsten verleumden usw.)“.

D.h., sie verstanden den Text so: Wenn du das ernst nimmst, dass Gott dich befreit hat, wenn du Gott ernst nimmst, dann wirst du nicht töten, dann wirst du den andern nicht verleumden usw. Oder auch einfach: Wenn du Gott ernst nimmst, dann tötest du einfach nicht, dann verleumdest du den andern nicht, usw.

Vielleicht ist es dann gar nicht mehr so wichtig, ob man „du wirst“ oder „du sollst“ übersetzt. Denn es geht dann immer nur um die Konsequenz daraus, dass man Gott ernst nimmt, von ihm sich befreit, bejaht, angenommen weiß. Die innere Folge und Frucht davon ist dann, dass man sich selber mehr bejahen, mehr annehmen kann und den Anderen auch („den Nächsten lieben wie sich selbst“: Lev 19,18). Dann kannst du den andern nicht töten, nicht verleumden, du sollst es nicht und du wirst es nicht, du tust es einfach nicht. Gottes Vorgabe, sein Ja zu uns ruft unser Ja zu Gott und zugleich unser Ja zum Mitmenschen hervor.

Deshalb kann Jesus dann alle „Gebote“ zusammenfassen in die zwei (die er aus Dtn 6,4 und Lev 19,18 nimmt): „Du wirst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen … und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Mk 12,29-31).

Nochmals: Wir sollten uns unbedingt in dieses Wort versenken: 1) Ich bin = JAHWE 2) der Herr = der Schöpfer des Universums und des Lebens, der Lebendige, den wir auch heute im CREDO bekannt haben 3) dein Gott = ich gehöre dir und du gehörst mir, du hast alles durch mich, durch mich gehört dir Zeit und Raum, durch mich bist du unendlich reich … dann kann die Fortsetzung nur lauten: du wirst keine anderen Götter neben mir haben (grammatikalisch richtig), denn du brauchst nichts anderes als mich, und durch mich bist du unendlich frei, erlöst, gerettet, für alle Ewigkeit.

Und wenn wir nun von eben diesem Wort ausgehen, dann dürfen wir auch unsere heutige Predigtstelle anders lesen, denn dann geht es nicht mehr um Aufforderungen, sondern um liebevolle Feststellungen: Futurum statt Imperativ = Mutter zum Schulkind: du wirst jetzt deine Hausübungen machen.

Wie hat unsere Predigtstelle begonnen?: 9 Eure Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an.

10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich.

Hoffnung für alle“:

Daher einmal die ganze Stelle im Indikativ, als einfache Feststellung von Tatsachen – werde, was du bist! – mit Hilfe der Übersetzung der “Hoffnung für alle“. Paulus an die Gemeinde der Weinberg-Kirche:

Eure Liebe ist aufrichtig. Und wie ihr ja das Böse hasst, so liebt ihr das Gute.

Ihr seid in herzlicher Liebe miteinander verbunden; gegenseitige Achtung bestimmt euer Zusammenleben.

Ihr bewältigt eure Aufgaben mit Fleiß und werdet nicht nachlässig. Ihr lasst euch ganz vom Geist Gottes durchdringen und dient Gott, dem Herrn.

Ihr seid fröhlich in der Hoffnung darauf, dass Gott seine Zusagen erfüllt. Ihr bleibt standhaft, wenn ihr verfolgt werdet. Und ihr lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen.

Ihr helft anderen Christen, die in Not geraten sind, und ihr seid gastfreundlich.

Ihr bittet Gott um seinen Segen für alle, die euch verfolgen, ja, ihr segnet sie, anstatt sie zu verfluchen.

Ihr freut euch mit den Fröhlichen, aber ihr weint auch mit den Traurigen.

Ihr seid einmütig untereinander. Ihr strebt nicht hoch hinaus und seid euch auch für geringe Aufgaben nicht zu schade. Ihr hütet euch, auf andere herabzusehen.

Das ist wie einer dieser herrlichen römischen Brunnen: Ganz oben strömt das Wasser heraus. Es füllt eine Schale, die darunter liegt. Wenn diese Schale gefüllt ist, dann – und erst dann! – läuft das Wasser aus der Schale heraus und füllt die darunter liegende Schale. Das Wasser muss nicht etwa dazu ermahnt werden, über den Rand der Schale hinaus zufließen und sich zu verströmen. Nein, es passiert von selbst, es geht gar nicht anders. Denn eine volle Schale läuft nun einmal über und gibt das Wasser ab.

Wenn aber Paulus in unserer Predigtstelle doch Imperative verwendet, dann drückt er damit wohl nur seinen sehnlichen Wunsch aus, dass wir wirklich das seien, was wir als Christen sind; Wir sollen also das werden, was wir ohnedies schon sind.

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Das aber ist ein reines Geschenk von Gott. Denn wirkliche Christen haben nicht nur einige gute Erkenntnisse über Gott und einige gute Vorsätze für ihr Leben, sondern „es lodert in ihnen die himmlische Flamme, entzündet von oben, genähret von dort“ (altes Lied: Christoph Friedrich Richter).

Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder
und tragen das Bildnis des Irdischen auch;
sie leiden am Fleische wie andere Sünder,
sie essen und trinken nach nötigem Brauch;
in leiblichen Sachen, in Schlafen und Wachen
sieht man sie vor anderen nichts Sonderlichs machen,
nur dass sie die Torheit der Weltlust verlachen.

Doch innerlich sind sie aus göttlichen Stamme,
geboren aus Gott durch sein mächtiges Wort;
es lodert in ihnen die himmlische Flamme,
entzündet von oben, genähret von dort.

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